Making-of „50 Jahre Pfarrerinnen in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck“

Landeskirchliches ArchivLandeskirchliches ArchivDer Weg der Theologinnen in das Pfarramt war ein weiter – auch in Kurhessen-Waldeck. Das Landeskirchliche Archiv Kassel skizziert in einer Wanderausstellung anhand von Fotos, Quellen, Biogrammen und Erinnerungen früher Theologinnen die schwierigen Bedingungen, unter denen Frauen als Pfarrhelferinnen, Vikarinnen und Pfarrerinnen im 20. Jahrhundert ihren Beruf ausüben mussten.
Im Dezember 1961 verabschiedete die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck nach kontrovers geführter Diskussion ein richtungsweisendes Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin. Es trat vor fünfzig Jahren mit Beginn des Jahres 1962 in Kraft. Erstmals wurden nun Frauen zu Pfarrerinnen ordiniert und konnten ein Gemeindepfarramt übernehmen. Dennoch sollte es noch zwei Jahrzehnte dauern, bis in jeder Hinsicht die volle rechtliche Gleichstellung erreicht war.



Zur Entstehung der
Wanderausstellung

Das Landeskirchliche Archiv Kassel wurde im Mai 2011 von der Projektgruppe, die Festgottesdienst und Festakt „50 Jahre Pfarrerinnen in Kurhessen-Waldeck“ vorbereiten, gebeten, sich mit Ausstellungstafeln und Biogrammen von frühen Theologinnen, die in Kurhessen-Waldeck tätig waren, zu beteiligen. Schnell war klar, dass Thema und Quellenlage so komplex und vielschichtig sind, dass sich parallel zu den Tafeln die hier vorliegende Quellen-Bild-Dokumentation als „Lesebuch“ zur Vertiefung anbot.

Bis November 2011 wurde im Landeskirchlichen Archiv Kassel, im Zentralarchiv Darmstadt und im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin recherchiert. Als besonders schwierig stellte sich das Bemühen heraus, die Entwicklungen auch im Bild darzustellen. Hier wurden die regionalen Printmedienarchive angefragt. Die Ergebnisse finden sich nachstehend – insgesamt aber bleibt festzustellen, dass die hauptsächlich untersuchte Zeit zwischen 1931/1932 und 1962/1963 kaum in Bildern überliefert worden ist.

Ab Dezember 2011 wurde mit der Erstellung des quellenbasierten Katalogs begonnen. Parallel fand ein langes, aufschlussreiches Zeitzeugengespräch mit Landespfarrerin i.R. Dietgard Meyer statt. Frau Meyer hat dem Landeskirchlichen Archiv Kassel für diese Ausstellung und darüber hinaus in einem Vorlass wichtige Unterlagen und private Fotos zur Geschichte der Frauenordination, die sie maßgeblich miterlebt und mit geprägt hat, zur Verfügung gestellt. Auch mit den Pfarrerinnen i.R. Hanna Gallenkamp, Elisabeth Siltz und Renate Ziegler wurde schriftlicher und telefonischer Kontakt aufgenommen. Die eingegangenen privaten Fotos und Erinnerungen wurden gern in die Dokumentation übernommen. Am Ende konnten insgesamt rund hundert Dokumente berücksichtigt werden, die vieldeutig und berührend insbesondere die Zeit zwischen 1930 und 1970 lebendig werden lassen.

Gedruckt werden konnten zwanzig Ausstellungstafeln und die begleitende Dokumentation mit freundlicher Unterstützung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.


Die Konzeption

1908 erlangen Frauen in Preußen das Recht auf Zulassung zum Studium. Eine erste Interessenvertretung von Theologinnen manifestiert sich 1925 mit der Gründung des Verbands evangelischer Theologinnen in Marburg.


Die Theologin als Pfarrhelferin, Ei
nsatz von Vikarinnen in der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit

Die Kirchenregierung der evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel definiert Vorbildung und Anstellung von Theologinnen in einem Beschluss von 1931 und einer Verordnung von 1932. Anzustellen sind Pfarrhelferinnenzur Unterstützung des Pfarramtes, bei Verheiratung scheidet die Pfarrhelferin aus.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 ändert sich die Lage. Durch die Einberufung vieler Pfarrer zum Kriegsdienst sind viele Kirchengemeinden verwaist - „weibliche Hilfskräfte für den Gemeindedienst“ werden bis in die unmittelbare Nachkriegszeit eingesetzt. Die Vikarinnen Bader, Doemich, Rühling und Staritz springen ein und übernehmen oft den gesamten Pfarrdienst.


Das Amt der Vikarin ab 1949

Nach Kriegsende diskutiert die Leitung der Landeskirche die Rechtsstellung der Vikarinnen neu. Gibt es 1947 fünf Vikarinnen in Kurhessen-Waldeck, wird der Bedarf 1948 für die nächsten fünf Jahre auf lediglich „zwei Theologinnen“ geschätzt. Kurhessen-Waldeck liegt hier im Trend, EKD-weit ist bis auf Württemberg, Pfalz und Berlin-Brandenburg kaum oder kein Bedarf vorhanden. Das Kirchengesetz über das Amt der Vikarinnen regelt 1949 in Kurhessen-Waldeck grundsätzliche Fragen. Der Dienst wird vornehmlich gegenüber Frauen und Kindern ausgeübt. Mit der Ordination wird der Vikarin grundsätzlich das Recht der Sakramentsverwaltung im Rahmen ihres Dienstes gewährt. Bei Heirat scheidet die Vikarin aus dem Amt aus.

Ordinationen von Vikarinnen finden ab 1952 in Kurhessen-Waldeck statt. Acht Ordinationen von Vikarinnen konnten bis 1961 für Kurhessen-Waldeck nachgewiesen werden, nicht alle, die qualifiziert waren, im Krieg eingesprungen sind und ordiniert werden wollten, kamen in den Genuss einer Ordination. Nicht selten wurde die Ordination hinausgezögert. Das Vikarinnen-Amt wird als Amt sui generis verstanden – Vikarinnen sind kein „weiblichen Pfarrer“ und können daher auch keine besoldungsrechtliche Gleichstellung mit den Pfarrern aus dem Grundgesetz ableiten. In Kurhessen-Waldeck erhalten die Vikarinnen 80 Prozent des Pfarrergehalts.

Das Weltbild der männlichen Vorgesetzten den Vikarinnen gegenüber ist 1954 klar geordnet: „Fräulein F. scheint mit einer Vikarin befreundet zu sein, die in Baden Dienst tut und die ihr nun irgendwie davon erzählte, dass sie als „Frau“ angesprochen wird, eine eigene Wohnung hat und wie ein Pfarrer frei schaltet und waltet. Das steht ihr nun etwas vor Augen und im übrigen ist sie Ihnen gram, weil Sie irgendwie eine Äußerung gemacht haben sollen, dass Vikarinnen-Probleme am besten durch die Ehe zu lösen seien.“

1958 sind neben vier Sprengelvikarinnen zeitweise weitere fünf Vikarinnen in der Landeskirche tätig.

Die Frage der verbindlichen Form der Amtstracht für Vikarinnen ist 1954 noch offen. Auf eine Anfrage von Vertrauensvikarin Meyer empfiehlt Prälat Hilmes „bis zur Regelung dieser Frage ein dunkles Kleid“. 1959 gibt dann die Dienstkleidung für Vikarinnen in Kurhessen-Waldeck: Statt des Beffchens trägt die Vikarin „hemdblusenähnliche Ecken (Überschläge) zum Einknöpfen…“

Der Zeitungsbericht über Vikarin Fuchslocher „Nach acht Semestern „Frau Vikarin“ - Jugendstunden und Krankenbesuche spiegelt exemplarisch das Amt. Ihr Alltag ist geprägt durch die Krankenhausseelsorge an Frauen und Kindern in fünf Kliniken, den sie mithilfe eines Dienstfahrzeugs (Goggomobil) besser bewältigt.


Das Amt der Pfarrerin ab 1962

Ende 1959 gibt es in vier Landeskirchen gesetzlich festgelegt „Pfarrerinnen bzw.. „Pastorinnen“, die in vollem Pfarramt tätig sind: Lübeck, Anhalt, Pfalz und Hessen-Nassau. Die Besoldung ist – unabhängig von der Bezeichnung – bereits in zehn Landeskirchen angeglichen. Die Vertrauensvikarinnen aus den Landeskirchen der EKD, hier vertritt Dietgard Meyer Kurhessen-Waldeck, diskutieren schon seit längerem die „Theologinnenfrage“ und das sich langsam wandelnde Berufsbild. Die Broschüre „Die Vikarin“ solle neu aufgelegt werden und brauche einen neuen Titel, etwa „Die Pastorin“, so das Protokoll ihrer Tagung 1960 in Berlin-Spandau. Die nächste Vikarinnentagung wird unter dem Thema „Ehe und Ehelosigkeit der Theologin“ stehen. Der Vikarinnen-Ausschuß in Kurhessen-Waldeck mit „Frau Pfarrer Stehfen“ und Pfarrvikarin Meyer ist u.a. 1961 auf landeskirchlicher Ebene tätig. Es geht um die grundsätzliche Frage, ob die Landeskirche eine qualitative Gleichstellung des Pfarramts der Frau mit dem Pfarramt des Mannes anstrebt. So lehnt Kirchenrat Dr. Ritter kategorisch ab, sich von einer Frau das Abendmahl reichen zu lassen. Bei diesem Entschluß bleibe er auch in seiner Sterbestunde, er würde „dann leider auf das Abendmahl verzichten“. Anfang Dezember 1961 berät die Landessynode in Hephata die Vorlage für das Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin. Am Vorabend der Synode schreibt Vikarin Claudia Bader an Vikarin Dietgard Meyer: „Nun ist also morgen der entscheidende Tag für uns alle“. Sie spricht von einem „Kampf“, den sie nicht gesucht habe, als sie das Studium ergriffen habe. Obwohl Synodaler Ritter noch einmal ausführlich den „Gleichheitswahn der französischen Revolution, der in bedenklicher Weise auch in kirchlichen Gehirnen spuke“, anprangert, wird es ein „guter Tag“. Die Landessynode beschließt am 8. Dezember 1961 das Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin, das am 1. Januar 1962 in Kraft tritt. Wie ihre männlichen Kollegen werden Frauen nach einer entsprechenden Ausbildung nun zu Pfarrerinnen ordiniert und haben die Möglichkeit, ein Gemeindepfarramt zu übernehmen.

Die erste Ordination von Frauen zu Pfarrerinnen findet am 1. April 1962 in Wolfhagen gemeinsam mit fünf männlichen Kollegen statt. Die erste Frau, die im Juni 1962 in Kurhessen-Waldeck in ein Gemeindepfarramt eingeführt wird, ist Pfarrerin Specht in Hanau. Als erste Landespfarrerin wird im November 1963 Dietgard Meyer eingeführt.


Gleichstellung?

Die Erfolge und Fortschritte dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass der Weg zur restlosen Gleichstellung noch weit ist. Im Fall der Heirat scheidet die Pfarrerin aus. Auch wenn der Bischof in besonderen Ausnahmefällen ein Verbleiben im Amt gestatten kann, die alten Vorurteile sind 1962 in der Öffentlichkeit sehr präsent: „Somit kann es also nun auch dahin kommen, daß in einem Pfarrhause der Ehemann die Kinder betreut, das Mittagessen kocht und den Haushalt versorgt, während die Ehefrau als Seelsorgerin der Gemeinde sonntags auf der Kanzel steht und die Gemeinde leitet … Kommentar überflüssig“.

Zwar ist die Pfarrerin hinsichtlich ihrer Besoldung den Pfarrern gleichgestellt, aber ein Aufstieg ist ihr 1963 grundsätzlich versagt mit der Begründung, sie habe „in der Regel keinen Mann und keine Abkömmlinge zu unterhalten“. Es gibt eine Amtstracht der Pfarrerin, die sich von der der Pfarrer unterscheidet: Statt des Beffchens trägt Frau Pfarrerin mindestens bis 1967 „einen Stehkragen mit weißer Paspelierung“. Der Arbeitskreis evangelisch-lutherischer Pastoren stellt 1963 die Rechtmäßigkeit der Zulassung von Frauen zum Geistlichen Amt grundsätzlich in Frage.

Männliche und gesamtgesellschaftliche Vorbehalte gegenüber Fräulein Pfarrerin finden sich nicht selten: „In ländlichen Frauenkreisen lehnt man sie wegen ihres Mac up und wegen jeglichen Fehlens eines Verständnisses für ländliche Verhältnisse ab.“ Sie ist „betont modern“ eingestellt und als Frau in ihrem Amt überfordert: “Ich rege an, von Frau K. eine Liste ihrer Erkrankungszeiten erstellen und ihre Autounfälle mit Reparaturkosten angeben zu lassen. Die Bilanz ist … erschreckend“.

Die Vorurteile aus dem Jahr 1963 finden sich ähnlich auch noch 1975: im Rahmen einer Auseinandersetzung einer Pfarrerin mit einem Kirchenvorstand stellt ein weibliches Gemeindemitglied u.a. an den Bischof Vellmer folgende Frage: „Würde man einem männlichen Pfarrer gegenüber genau so vorgehen: er rauche Zigaretten, trage unmoderne Anzüge und ungepflegte Haare?! Die gleiche Frage erhebt sich bei der Behauptung des Kirchenvorstandes, mit Frau W. ließe sich nicht arbeiten, sie sei zu schwierig. Ich wage zu behaupten, daß man einen männlichen Pfarrer gleichen Zuschnitts resolut nennen würde, energisch, sachlich, jedem falschen Ton abhold und dergleichen mehr. Negative Eigenschaften?“

Die Grundordnung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck schreibt 1967 in Artikel 62 fest: „Die Pfarrerin scheidet im Falle ihrer Verheiratung aus dem Dienst aus.“ 1970 wird ein Antrag auf Änderung der Grundordnung gestellt. Das Pfarrerdienstgesetz von 1973 enthält immer noch Sonderregelungen für Pfarrerinnen – eine Gleichstellung ist erst 1979/1980 erreicht, als die Landessynode die Streichung der Paragraphen 92 bis 95 (Die Pfarrerin) beschließt.


Die Zeit ab 1980

Der Beruf der Pfarrerin gewinnt an Attraktivität. Gab es 1963 acht Pfarrerinnen in Kurhessen-Waldeck, sind es 1988 145 Pfarrerinnen im Dienst (17%) und 2010 383 Pfarrerinnen (38%). Karrieren innerhalb der kirchlichen Strukturen werden möglich: 1980 die erste Studienleiterin des Predigerseminars, 1986 die erste Dekanin, 1990 die erste Pröpstin, 2003 die erste Prälatin in Kurhessen-Waldeck.


Erinnerungen

Die hauptsächlich benutzten Quellen sind General- und Personalakten, die Zeitungsausschnittsammlung und die Amtsblätter der Zeit zwischen 1930 und 1970, um die Entwicklung auf EKD-Ebene und in Kurhessen-Waldeck nachzuzeichnen. Der direkte Kontakt mit den Pfarrerinnen der ersten Generation, die zum Teil auch noch die Vikarinnen-Epoche miterlebt haben, hat zudem das Einarbeiten von Zeitzeugendokumenten möglich gemacht. So finden sich Erinnerungen von Dietgard Meyer an Claudia Bader, von Hanna Gallenkamp über das weiße Krägelchen, von Elisabeth Siltz u.a. über ihre Zeit im Predigerseminar Hofgeismar 1959/1961 sowie eine von Renate Ziegler selbst verfasste Vita. Private Fotos der Zeitzeuginnen ergänzen die Texte.


Biogramme

Nachdem nun die unterschiedlichen beruflichen Rahmenbedingungen für Theologinnen im Verlauf des 20. Jahrhunderts skizziert sind, folgen exemplarisch achtzehn Biogramme früher Theologinnen, Vikarinnen und Pfarrerinnen (erfasst sind Viten mit Ordinationen bis Anfang 1962), die alle mehr oder weniger intensiv in Hessen-Kassel bzw. Kurhessen-Waldeck gewirkt haben und bis auf wenige Ausnahmen schon in den zuvor ausgewählten Quellen „aufgetreten“ sind.

Die Lebensläufe der ersten Theologinnengeneration sind geprägt durch das Heiratsverbot und die Versehung verwaister Pfarrstellen im Zweiten Weltkrieg. Die Ausbildung zur Theologin wird in einigen Fällen durch Heirat und

Familie abgebrochen oder unterbrochen – nach der Verwitwung wird sie fortgesetzt. Nach Kriegsende sind die Dienste der Theologinnen nicht mehr nachgefragt, ein Bedarf an Theologinnen wird in der Landeskirche nicht gesehen. Das Amt der Vikarin als Amt sui generis schränkt die Theologin in ihren beruflichen Möglichkeiten ein.

Die nächste Generation erreicht eine Ordination als Vikarin und ab 1962 die Ordination als Pfarrerin. Ein Wirken als Gemeindepfarrerin ist erst den Jüngeren möglich.

Die Ausstellung wurde im Rahmen eines Festakts im Haus der Kirche am 10. März 2012 eröffnet und bis zum 10. April 2012 im Foyer gezeigt. Danach ging sie nach Wolfhagen und ist inzwischen in weiteren Gemeinden zu sehen. Weitere Informationen – auch zum Bezug des Katalogs - sind unter www.ekkw.de/archiv zu finden.

Zeitleiste

1908

Frauen erlangen in Preußen das Recht auf Zulassung zum Studium

1925

Gründung Verband evangelischer Theologinnen in Marburg (heute: www.theologinnenkonvent.de)

1931

Beschluss Landeskirchentag Hessen-Kassel zur Vorbildung und Anstellung von Theologinnen: kein Gemeindepfarramt, Ordination erforderlichenfalls

1932

Verordnung Kirchenregierung Hessen-Kassel zur Vorbildung und Anstellung von Theologinnen: Pfarrhelferinnen zur Unterstützung des Pfarramtes, wissenschaftliche Vorbildung wie ein Pfarrer, zwischen erster und zweiter Prüfung Vorbereitungszeit von zweieinhalb Jahren, davon ein Jahr Lehrvikariat, Ordination erforderlichenfalls bei Anstellung der Pfarrhelferin, Sakramentsverwaltung nicht grundsätzlich ausgeschlossen, Einführung in das Amt durch zuständigen Landespfarrer, bei Heirat Ausscheiden aus dem Amt (Ausnahmen möglich), Gehalt gemäß Ausführungsbestimmung

1939

nach Kriegsbeginn erhöhter Bedarf an weiblichen Hilfskräften für den Gemeindedienst

1949

Kirchengesetz Kurhessen-Waldeck über das Amt der Vikarinnen: mit der Ordination grundsätzlich Recht der Sakramentsverwaltung im Rahmen ihres Dienstes, Art der dienstlichen Verwendung nach Entscheid des Bischofs, Einführung im Gemeindegottesdienst, bei Heirat Ausscheiden aus dem Amt (Ausnahmen möglich), Besoldung gemäß Verordnung des Bischofs, „Amt sui generis“

50er

Entstehung eines Theologinnenkonventes in Kurhessen-Waldeck mit dem Ziel, für die rechtliche Gleichstellung der Frauen im Hinblick auf den Pfarrberuf einzutreten

1952

erste Ordination von Frauen in Kurhessen-Waldeck zu Vikarinnen (bis 1962 achtmal dokumentiert), Magdalene Doemich, Kassel, Juni 1952, Christiane Beisenherz, geb. Brandenburg, Hersfeld, Juni 1952, Claudia Bader, Marburg, Dezember 1952

1957

Deutscher Bundestag verabschiedet das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts

1962

Kirchengesetz Kurhessen-Waldeck über das Amt der Pfarrerin: mit Ordination Recht der Sakramentsverwaltung (auch, wenn sie nicht in ein Gemeindepfarramt berufen wird), bei Heirat Ausscheiden aus dem Amt (Ausnahmen möglich), Gleichstellung bei der Besoldung, immer noch eine spezielle Amtstracht

 

erste Ordination von Frauen zu Pfarrerinnen in Kurhessen-Waldeck: Ingeborg Köbberling, Renate Ziegler, April 1962

 

erste Frau in Kurhessen-Waldeck in einem Gemeindepfarramt: Elisabeth Specht, Juni 1962, Claudia Bader, Dezember 1962

1963

erste Landespfarrerin für kirchliche Frau­en­arbeit in Kurhessen-Waldeck: Dietgard Meyer

1967

Grundordnung, Artikel 62: bei Heirat Ausscheiden aus dem Amt (Ausnahmen möglich), 1970 Antrag auf Änderung der Grundordnung

1980

Synode beschließt Streichung von §§ 92-95 „Die Pfarrerin“ im Pfarrerdienstgesetz von 1973 - Gleichstellung von Pfarrerin und Pfarrer in Kurhessen-Waldeck erreicht

 

erste Studienleiterin im Predigerseminar Hofgeismar: Roswitha Alterhoff

1986

erste Dekanin in Kurhessen-Waldeck: Roswitha Alterhoff

1990

erste Pröpstin: Roswitha Alterhoff

2003

erste Prälatin: Roswitha Alterhoff

 

Bettina Wischhöfer

Zug zur Christuskirche in Kassel zum Festgottesdienst mit Prof. Dr. Martin Hein, Prälatin Marita Natt und 150 Pfarrerinnen am 10. März 2012 (Foto: medio.tv/schauderna)Zug zur Christuskirche in Kassel zum Festgottesdienst mit Prof. Dr. Martin Hein, Prälatin Marita Natt und 150 Pfarrerinnen am 10. März 2012 (Foto: medio.tv/schauderna) Statt des Beffchens … einen Stehkragen mit weißer Paspelierung: Landespfarrerin Dietgard Meyer in der Amtstracht der Pfarrerin und ihre Männlichen Kollegen bei der Einweihung der Immanuelkirche in Kassel am 1. Dezember 1963 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Vorlass Dietgard Meyer, Foto: Thiel)Statt des Beffchens … einen Stehkragen mit weißer Paspelierung: Landespfarrerin Dietgard Meyer in der Amtstracht der Pfarrerin und ihre Männlichen Kollegen bei der Einweihung der Immanuelkirche in Kassel am 1. Dezember 1963 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Vorlass Dietgard Meyer, Foto: Thiel) Bettina Wischhöfer, Quellen zur Ausstellung des Landeskirchlichen Archivs Kassel „50 Jahre Pfarrerinnen in der EKKW“ (Schriften und Medien des Landeskirchlichen Archivs Kassel 31), 106 Seiten, 8,- €Bettina Wischhöfer, Quellen zur Ausstellung des Landeskirchlichen Archivs Kassel „50 Jahre Pfarrerinnen in der EKKW“ (Schriften und Medien des Landeskirchlichen Archivs Kassel 31), 106 Seiten, 8,- €